Proportionalzirkel nach Galilei

Dies ist ein französischer Proportionalzirkel aus vergoldetem Messing, wie er im 18. Jahrhundert von einer Reihe von französischen Instrumentenmachern hergestellt wurde. Die Linien und Ziffern sind offenbar von Hand eingraviert und mit Matrizen eingeschlagen. Im Vergleich  zu den späteren genormten englischen Elfenbeingeräten fehlen die logarithmischen und trigonometrischen Skalen.

Auf der einen Seite ist die Hauptskala, die vom Drehpunkt ausgeht, beschriftet mit LES PARTIES EGALES. Es ist eine dezimal geteilte lineare Doppelskala von 0 - 190. Sie dient zum Abgreifen von Proportionen. Innen befindet sich eine mit LES POLIGONES beschriftete Skala zur Konstruktion regelmäßiger 3 bis 11-Ecke. Am Außenrand (in der Abbildung oben und unten) befindet sich eine weitere Skala (4, 8, 12, 16, 24), beschriftet mit PDP. Dies bedeutet "Poids de Pieces" und meint das Gewicht von Geschossen mit dem jeweiligen Durchmesser. Der Abstand zwischen der Nulllinie (rechts vom P) und der mit 4 beschrifteten Linie beträgt 8 cm. Eine eiserne Geschosskugel, die zwischen diese beiden Linien passt, wiegt etwa 4 Pfund.

Auf der anderen Seite ist die Hauptskala mit LES CORDES beschriftet. Sie dient zur Konstruktion von Winkeln von 0 bis 150°. Darin eingeschlossen befindet sich die Skala LES METAUX, die möglicherweise zur Bestimmung des spezifischen Gewichts von Metallen diente. Eine Goldmünze, die zwischen das Linienpaar neben der kleinen Sonne passt, ist etwa genauso schwer wie eine Bleimünze mit gleichem Durchmesser zwischen dem nächsten Linienpaar, eine Silbermünze zwischen dem dritten, eine Kupfermünze zwischen dem dritten und deine Eisenmünze zwischen dem Linienpaar ganz rechts. Hier ist die Außenskala mit CDP ("Calibre des Pieces") beschriftet. Sie ist fast identisch zur entsprechenden Skala der Vorderseite, die Abstände sind jeweils um 3 mm geringer.

Die Grundkonstruktion des Proportionalzirkels soll einigen Forschern zufolge schon vor Galilei gebräuchlich gewesen sein. Sicher ist aber, dass Galilei den Proportionalzirkel populär machte und seinen Gebrauch unterrichtete. Unten abgebildet ist das Titelblatt einer Beschreibung von 1607. Auf der Webseite der Uni Würzburg stehen Informationen zu einem ähnlichen Instrument, dem Instrumentum Architecturae von Balthasar Neumann. Dieses Instrument weist feste Markierungen auf, an denen die Proportionen bestimmter Säulentypen abgegriffen werden können.