Die erste „richtige“ Rechenmaschine

Rechenbretter, Abakus und Rechenstäbchen waren Rechenhilfen. Sie erlaubten die Zerlegung eines komplizierten Rechenverfahrens in viele kleine Schritte und dienten dabei als Gedächtnisstütze. Maschine im üblichen Sinn des Wortes waren sie nicht. Eine Maschine ist nach unserem Verständnis eine Vorrichtung, die bestimmte Arbeit selbständig erledigt.

Lange Zeit galt Blaise Pascal als Erfinder der ersten Rechenmaschine. Seine Addiermaschine besaß einen Mechanismus, der den Zehnerübertrag automatisch erledigte. Pascal hatte diese Maschine für seinen Vater, einen Finanzbeamten, konstruiert und etwa 20 Exemplare davon bauen lassen.

Erst 1935 fand man Aufzeichnungen wieder, die belegten, dass es vorher schon eine Maschine mit einem ähnlichen Mechanismus gegeben hatte. Der Tübinger Theologieprofessor Wilhelm Schickard (1592 – 1635) hatte 1624 in Briefen an seinen Freund Kepler eine „Rechnuhr“ beschrieben, deren Übertragsmechanismus im Gegensatz zur Pascal-Konstruktion auch bei der Subtraktion funktionierte: „Du würdest hell auflachen, wenn du zuschauen könntest, wie sie die Stellen links, wenn es über eine Zehner oder Hunderter hinweggeht, ganz von selbst erhöht, bzw. ihnen  beim Subtrahieren etwas wegnimmt.“

So war Schickards Maschine aufgebaut:

Eine Rekonstruktion der Maschine nach Schickards Zeichnungen ist heute in Tübingen ausgestellt.

Der obere Teil des Geräts, der Multiplikationsteil  besteht aus sechs Walzen, die mit den Skalen der Napier-Stäbe beschriftet sind. Mit den Knöpfen auf der Oberseite werden die Ziffern einer Zahl eingestellt. Durch Schieber wird jeweils nur der Blick auf das Doppelte, Dreifache, ... der Zahl sichtbar gemacht.

Darunter liegt der Additionsteil des Geräts. Sechs Knöpfe werden jeweils um so viel Stellen weitergedreht, wie es der im Multiplikationsteil sichtbaren Zahl entspricht. Der Übertrag erfolgt dabei wie erwähnt vollautomatisch.

Ganz unten enthält die Maschine außerdem sechs kleine Merkscheiben.

Ein Beispiel: 1853 * 276:

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